Mo., 04. Juli 2016, 12:33 Uhr
MdEP Thomas Mann diskutierte mit Schülern des Litauischen Gymnasiums über EU / Zwei Schüler fahren nach Straßburg
„Wichtig, dass Ihr die EU richtig kennenlernt”

Diskutierte intensiv mit den Schülern des Litauischen Gymnasiums über die EU: Thomas Mann, Mitglied des Europäischen Parlaments. Foto: Benjamin Kloos
HÜTTENFELD – Anlässlich der Feierlichkeiten zum Tag der Unabhängigkeit Litauens stattete Thomas Mann, Mitglied des Europäischen Parlaments (MdEP), dem Litauischen Gymnasium einen Besuch ab, hielt eine Festrede und lud zwei Schüler für eine Woche nach Straßburg ein, um ihn dort bei seiner Tätigkeit als Abgeordneter zu begleiten. Am Montag kehrte er nach Hüttenfeld zurück, um seine Einladung in die Tat umzusetzen – und um mit Laura und Malte, die ihn noch am gleichen Tag nach Straßburg begleiteten, sowie deren Mitschülern aus der 11. Klasse über die EU zu diskutieren.
Im Rahmen des Politikunterrichts zeigten die Schüler reges Interesse an der Tätigkeit von Thomas Mann. Ob Brexit, Rechtsruck in Europa oder TTIP, der direkte Ansprechpartner aus dem Europäischen Parlament musste sich zahlreichen kritischen Fragen stellen. Doch zunächst erläuterte Mann, der seit 1994 Abgeordneter in Brüssel und Straßburg ist, seine Aufgabenfelder. Dabei hob er die Bedeutung der EU hervor – und wie wichtig es gerade für junge Menschen ist, Europa zu erleben. „Hierfür gibt es verschiedene Förderprogramme, Comenius für Schüler, Leonardo für Azubis und Erasmus für Studenten. Ziel ist es immer, Euch die Möglichkeit zu geben, Europa kennen zu lernen. Nicht als Touristen, sondern wie man in den einzelnen Ländern lebt, wie man arbeitet.” Einen weiteren Schwerpunkt setzte Mann auf den Bereich der Arbeitslosigkeit, besonders die Jugendarbeitslosigkeit sei ihm wie allen Parlamentariern ein Dorn im Auge. „Hier bewegen wir derzeit sehr viel. Denn es kann nicht sein, dass Jugendliche denken, sie seinen zum falschen Zeitpunkt geboren und nicht erwünscht.”
Der EU-Abgeordnete wehrte sich gegen die Kritik, die EU sei zu bürokratisch und nicht offen. „Wir sind total transparent im Europäischen Parlament. Alle Sitzungen werden per Livestream im Internet übertragen, simultan übersetzt in 23 Sprachen.” Zur Bürokratie betonte Mann, dass diese gerade bei der Kontrolle von Fördergeldern und der Umsetzung von Maßnahmen wichtig sei – und bei weitem nicht so groß, wie dies immer behauptet wird.
Eben solch unsachgemäße Behauptungen hätten auch zum Brexit geführt, erläuterte er in der Diskussion – aber vielleicht komme es ja auch zum Exil vom Brexit, zumindest Schottland sei bestrebt, in der EU zu bleiben. „Und dann wird es kein Groß-Britannien, sondern vielleicht nur noch ein Klein-England geben. Es wurden viele falsche Behauptungen aufgestellt, die mittlerweile zurückgenommen wurde. Emotionen wurden benutzt und polemisch argumentiert. Viele, gerade die jungen Briten, wollen die Entscheidung rückgängig machen. Glaubt denn wirklich einer, dass ein Land alleine gegen den Terrorismus kämpfen und die Flüchtlingsproblematik alleine lösen kann? Es geht nur gemeinsam!”. Zum Rechtsruck in Europa ergänzte er diesbezüglich, dass „die Gemeinsamkeit in Europa wichtig ist, wir müssen andere einbeziehen und gemeinsame Lösungen finden.” Dies gehe nicht immer schnell und würde manchmal den Eindruck von Tatenlosigkeit vermitteln, was aber keineswegs der Fall sei. „Wir müssen herausstellen, was wir an der EU haben, die Arbeitslosigkeit und andere Probleme intensiv bekämpfen. Dann werden wieder mehr Leute erkennen, dass von den Rechten nur hohle Parolen kommen. Die beiden Schüler, die nun mit mir nach Straßburg kommen werden, erhalten hier hoffentlich einen positiven Eindruck von unsere täglichen Arbeit.” Die Schüler diskutierten eifrig mit Thomas Mann und erfuhren so intensiv von der Tätigkeit des Abgeordneten, aber auch von der Bedeutung der EU.
Aidas Schugschdinis, der einst selbst sein Abitur am Litauischen Gymnasium gemacht hat und fünf Jahre Büroleiter bei Thomas Mann in Brüssel und Straßburg war, begleitete Thomas Mann und wird sich darum kümmern, dass Laura und Malte gut nach Straßburg und auch wieder zurück kommen – mit vielen Erfahrungen im Gepäck, die sie mit ihren Mitschülern teilen können. Auf diese Art und Weise wird Europa in Hüttenfeld ein weiteres Stück transparenter und rückt näher an die Schüler heran. Benjamin Kloos