Die WM in Katar letztes Jahr war die torreichste WM aller Zeiten. Besonders das Finale, in dem Superstar Messi seine Karriere mit dem WM-Titel krönte, war wohl das spannendste und aufregendste Spiel des gesamten Turniers. Trotzdem lagen die Zuschauerzahlen in Deutschland bei der Weltmeisterschaft 2022 deutlich unter denen der vorherigen Turniere. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zum einen gab es einen allgemeinen Verdruss in der deutschen Bevölkerung darüber, dass die WM ausgerechnet in einem Land stattfindet, in dem Menschenrechte nur wenig Beachtung finden. Außerdem sind die klimatischen Bedingungen alles andere als fußballfreundlich und die Vorgehensweise der FIFA stößt vielen Fans sauer auf. Allerdings gibt es vermutlich einen weiteren Grund, der eher selten genannt wird.
Laut Studien gibt es einen eindeutigen Trend: Menschen, die nach 1999 geboren wurden, schauen weniger Fußball als es die ältere Generation tut. Andere Unterhaltungsprogramme und -möglichkeiten scheinen attraktiver zu sein. Social Media Kanäle wie YouTube nehmen mehr Platz im alltäglichen Leben der Jugendlichen ein als es bei den Älteren der Fall ist. Außerdem steigt das Interesse an Amateurfußball, was unter anderem mit immer teurer werdenden Ticketpreisen zusammenhängen dürfte. In Zeiten von TikTok hat zudem die Aufmerksamkeitsspanne insbesondere von Jugendlichen nachgelassen. Analysiert man diese Trends weiter, wird verständlich, warum der traditionelle Profifußball bei der jungen Bevölkerung nicht mehr so häufig verfolgt wird. Eine Übertragung der Spiele findet meistens nur im Fernsehen statt und den langen, oftmals torlosen Spielen fehlt es an Spannung.
Gerard Piqué, ehemaliger Barcelona-Profi, hat letztes Jahr eine neue Liga gegründet, die sogenannte Kings League. Diese Liga besticht durch ein komplett neues System, wie ExpressVPN berichtet. Es gilt eine kürzere Spieldauer, Teams bestehen aus Amateurfußballern statt Profis und Live-Übertragungen finden auf Twitch, YouTube oder TikTok statt - allesamt besonders beliebt bei jüngeren Menschen. Zusätzlich ist es Fans erlaubt, direkt auf Twitter über Regeländerungen abzustimmen, etwas, das im traditionellen Fußballgeschäft unmöglich ist. Alle drei dieser Änderungen sind wohl der Grund, warum bereits gut jeder Zweite unter 25-jährige in Deutschland die Kings League kennt. Um das Turnier noch spannender zu gestalten, hat sich Piqué zu guter Letzt Aktionskarten ausgedacht. Diese können während des Spiel genutzt werden, um z. B. einen Freielfmeter zu erhalten. Innovative Ideen wie diese sorgen dafür, dass sich 65 % der Menschen, die die Kings League kennen, sich eine Einführung in Deutschland wünschen.
Ob und wann die Kings League ihr Debüt hierzulande feiert, bleibt abzuwarten. Dass junge Zuschauer sich durch spannende Regeländerungen, wie sie Piqué eingeführt hat, wieder für den Fußball begeistern lassen, steht jedoch außer Frage. Die FIFA oder der DBF sind für solch radikale Regeländerungen allerdings nicht offen, wie sich in den letzten Jahren gezeigt hat.