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  • Do., 22. August 2019, 12:35 Uhr
    MIT, Landwirte und Kommunen ziehen bezüglich Nitratwerten an einem Strang / Einziger erhöhter Wert durch Altlasten bedingt

    „Wir wollen einen fairen Umgang mit der Landwirtschaft”

    Die Landwirte der Region stehen für gesunde und hochwertige Lebensmittel – allerdings haben sie gerade mit Blick auf Nitratwerte häufig mit unsachgemäßen Beschuldigungen zu kämpfen. Foto: www.pixabax.com


    LAMPERTHEIM – Vor dem Hintergrund der neuen Düngeverordnung und der jüngst veröffentlichten Karte mit den Nitratwerten in Hessischen Grund- und Rohrwassern im Ried hatte die MIT Bergstraße am Mittwoch zu einer Diskussions- und Informationsveranstaltung eingeladen, um gemeinsam mit den örtlichen Landwirten, Bürgermeisterin Barbara Schader und Bürgermeister Gottfried Störmer sowie den beiden Experten Dr. Norbert Laun, Abteilungsleiter Gartenbau, Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz und Stefan Nauheimer vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen die Hintergründe für die Werte zu erörtern. 

    Ausgangslage der Diskussion war ein roter Punkt auf der Nitratwertekarte, direkt an der Gemarkungsgrenze zwischen Lampertheim und Bürstadt, der einen Wert von mehr als 50 mg Nitrat pro Liter ausweist – alle anderen Werte im Bereich Bürstadt und Lampertheim liegen hingegen bei unter 7,5 mg/l und damit im niedrigsten möglichen Bereich. Sowohl die MIT als auch die Landwirte fordern in diesem Zusammenhang einen fairen Umgang, da die Ursache für diesen Wert nicht in der Landwirtschaft liegt. „Wir wollen sachlich über Zusammenhänge aufklären”, betonte der MIT-Vorsitzende und ehemalige Landrat Matthias Wilkes. „Denn es gibt aktuell viel Unsicherheiten bei den Verbrauchern, gerade auch durch Schlagzeilen, die häufig völlig über das Ziel hinausschießen und oftmals einfach falsch sind.” Gleichzeitig stellte Wilkes klar, dass „wir hervorragende Produkte in der Region haben. Es ist wichtig, dass die Lebensmittel gesund und bezahlbar sind, allerdings müssen die Landwirte durch die zunehmende Verdichtung gute Produkte auf immer weniger Fläche mit immer mehr Vorgaben erwirtschaften.” Bezüglich der Nitratwerte führte Wilkes fort: „Die Lebensmittel, die in unserer Region angebaut werden, sind so gut wie nirgends anders, aber mit noch geringeren Nitratwerten kann man Landwirtschaft nicht betreiben! Leider wird dies hier aufgrund des einen roten Punktes anders dargestellt. Wir wollen einen fairen Umgang mit der Landwirtschaft und fordern Objektivität ein. In Bürstadt und Lampertheim ist fast überall kein Nitrat vorhanden, wir haben wir gesunde Böden. Nur ein einziger Punkt ist negativ – und dieser hat historische Gründe und stellt ein spezielles Problem dar.” 

    Der MIT-Vorsitzende Matthias Wilkes (3.v.r.) erläutert die aktuelle Karte mit den Nitratwerten – gemeinsam mit Werner Hartmann (2.v.l.), Willi Billau (l.), Helmut Steinmetz (2.v.r.) und Stefan Nauheimer vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (r.). Foto: Benjamin Kloos


    Denn genau an dieser Stelle, an der in einem Brunnen seit Jahren hohe Nitratwerte gemessen werden, stand ursprünglich ein Bahnwärterhäuschen, das im 2. Weltkrieg durch eine Bombe zerstört wurde. Diese hinterließ einen tiefen Krater, der nach dem Krieg mit allerlei Müll und Unrat gefüllt wurde – darunter auch Schlachtabfälle und ungesunde sowie gefährliche Produkte. Was genau alles dort liegt, müsse durch Ursachenforschung festgestellt werden, betonte der Vorsitzende des Regionalbauernverbandes Willi Billau. „Der Plan zeigt, dass die Welt bei uns im Großen und Ganzen in Ordnung ist. 200 Meter westlich und 200 Meter östlich dieses Brunnens haben wir seit 30 Jahren 0 Nitrat, und an dieser Stelle seit 30 Jahren hohe Werte. Dieser Punkt darf nicht mit in die Karte aufgenommen werden wenn es um eine mögliche Senkung der Nitratwerte in der Landwirtschaft geht, denn er ist nicht durch die Landwirtschaft beeinflusst. Das Ried hat sehr gute Böden, die überschüssiges Nitrat abbauen so dass dieses nicht ins Grundwasser gelangt. Zudem sind wir bereit, nachzubessern und weiter dafür zu sorgen, dass der Stickstoff noch besser genutzt wird. Dabei verwehren wir uns keineswegs Sparplänen, aber sie müssen realistisch sein.” Gleichzeitig verwies Willi Billau darauf, dass fast alle Landwirte Beobachtungsflächen angelegt haben, die mehrmals im Jahr kontrolliert und beprobt werden, ebenso wie generell die landwirtschaftlichen Flächen. „Wir bauen viel Gemüse für Babynahrung an und hier sind die Kontrollen nochmals stärker. Dies ist möglich, da unsere Region sehr gute Voraussetzungen für Nitratwerte hat. Baden-Württemberg ist das erste Bundesland, dessen Nitratwerte in den letzten zehn Jahren um 20 Prozent gesunken sind – das schaffen wir auch!“ ist Willi Billau überzeugt. 

    Matthias Wilkes ergänzte, dass dies vielmehr ein Umweltproblem bezüglich größtenteils unbekannter Altlasten sei. „Es ist Aufgabe der Landesregierung, sich um die Entsorgung zu kümmern, aber stattdessen wird unfair die Schuld an die Landwirte weitergegeben. Es ist eine Grundlagenforschung nötig um festzustellen was hier genau liegt. Hier ist die Unterstützung seitens der Kommunen erbeten, um gemeinsam mit dem Bauernverband auf gezielte Problemfelder hinzuweisen. Es ist Aufgabe des Landes, dieses Problem zu lösen! Gleichzeitig darf der Brunnen nicht mehr im Plan ausgewiesen werden und so die Messwerte verfälschen.”

    Bürgermeisterin Barbara Schader und Bürgermeister Gottfried Störmer sicherten den Landwirten ihre Unterstützung zu: „Wir haben gute und wertvolle Böden und brauchen Vertrauen. In der Karte wird deutlich, wie niedrig die Nitratwerte sind. Diese wurden bereits stark reduziert, zumal hier auch für Babyprodukte angebaut wird. Es ist eine gute Aufklärung wichtig, statt die Bevölkerung mit solchen Werten wie dem des einen Brunnen zu verunsichern”, stellte Bürgermeisterin Schader klar. Und ihr Lampertheimer Amtskollege Störmer verwies darauf, dass „eher pauschalisiert statt differenziert wird, obwohl seit vielen Jahren eine Beprobung mit sehr guten Werten durchgeführt wird – übrigens auch bei Gegenproben seitens der Unternehmen, die das Gemüse erwerben.”

    Eine bedarfsgerechte Düngung der Pflanzen sei wichtige Grundlage für die Arbeit der Landwirte, waren sich alle Beteiligten einig. „Wir wollen nicht nur reden, sondern auch anpacken. Daher haben wir sowohl den Messpunkt als auch die Düngeverordnung, die für unsere Region differenzierter betrachtet werden muss, aufgegriffen und werden hier entsprechende Maßnahmen anregen und einleiten”, betonte Matthias Wilkes abschließend. Benjamin Kloos

     

     
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