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  • Mi., 10. Februar 2021, 08:47 Uhr
    ÖPNV: Bilanz des Jahres 2020 für den Öffentlichen Personennahverkehr vorgelegt / Gesunkene Fahrgastzahlen / Anpassung des Angebotes geplant

    „Wir wollen unsere Fahrgäste in den Bussen nach dem Lockdown zurückgewinnen”

    Im Jahr 2020 sind die Fahrgastzahlen coronabedingt zurückgegangen – nach dem Ende des Lockdowns sollen die Fahrgäste zurückgewonnen werden, auch durch neue Angebote wie die Linie von Lampertheim nach Heppenheim. Foto: VRN


    KREIS BERGSTRASSE – Das Jahr 2020 hat mit der Corona-Pandemie viele Herausforderungen mit sich gebracht – auch für den Öffentlichen Personennahverkehr. Aber wie genau sah die Nutzung des ÖPNV im vergangenen Jahr aus? Darüber informierten Verkehrsdezernent Karsten Krug und Rainer Sauter, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Gersprenztal (VGG), am Dienstag im Rahmen einer Video-Pressekonferenz. 

    „Die Situation im ersten Lockdown war so, dass das Fahrplanangebot mit einem Grundangebot aufrecht erhalten wurde, wenn auch reduziert mit dem Ferienfahrplan und mit Einschränkungen im Spät- und Nachtverkehr”, erläuterte Karsten Krug zu Beginn. Der Schutz des Fahrpersonals war dabei ein wichtiges Thema – und: „Wir haben dafür Sorge getragen, dass dauerhaft ausreichend Personal zur Verfügung steht, so dass es kaum Ausfälle gab.“ Nach den Sommerferien konnte wieder zum normalen Angebot zurückgekehrt werden, nach den Herbstferien wurden erste Schulverstärkerfahrten mit bis zu elf Reisebusse zusätzlich eingeführt. „Zuvor gab es eine intensive Erhebung der Nachfrage im Schülerverkehr, hierfür vielen Dank an die VGG”, so Karsten Krug weiter, der erklärte: „Die Einhaltung eines Sitzplatzangebotes für alle Schüler würde rund 75 zusätzliche Busse erforderlich machen, damit wäre aber immer noch kein Abstand von 1,5 Metern  möglich. Wir haben verstärkte Kontrollen an verschiedenen Schulstandorten durchgeführt. Wir sind jetzt mittendrin im zweiten Lockdown, haben aber keine Ausdünnungen im Schulbusverkehr, da Schulen nur zur Notbetreuung zu bedienen sind. Die Verstärkerfahrten sind daher derzeit ausgesetzt.”

    Mit Blick auf die Finanzierung des Angebotes des ÖPNV betonte der Kreisbeigeordnete, dass „wir als Kreis unseren Vertragspartnern früh signalisiert haben, dass wir zu ihren Vertragspartnern stehen und coronabedingte Ausfälle entschädigen wollen. Hinzu kam dann landesseitig die Förderung, Mindereinnahmen auszugleichen. Zum Jahresende kam von Seiten des Landes die Förderung  hinzu, Schulverstärkerfahrten anteilig zu finanzieren.“ Die zusätzlichen Kosten aus den Kreismitteln für den Schulverstärker beliefen sich am Jahresende auf rund 50.000 Euro bei Gesamtkosten von rund 275.000 Euro, 175.000 Euro wurden über die Landesförderung abgedeckt – den Rest übernehmen je zur Hälfte der Kreis und die VRN.

    Wenn zukünftig Lockerungen realisiert werden, wird es wieder verstärkte Maskenkontrollen geben — Mittel aus der Landesförderung sind hierzu vorhanden. Bisher wurden übrigens 13 Verstöße in diesem Bereich gemeldet.

    Zum Ende seiner Ausführungen richtete Karsten Krug den Blick auf das Jahr 2021. Hier steht besonders die Umsetzung der Maßnahmen im Nahverkehrsplan im Mittelpunkt, darunter auch besonders die Linie Lampertheim - Heppenheim. „Der zweite Lockdown könnte das Mobilitätsverhalten nachhaltig negativer verändern als dies beim ersten Lockdown der Fall war. Erste Zahlen im Bereich der Zeitkunden sind negativ. Daher soll es analog zu 2020 auch in diesem Jahr einen Rettungsschirm geben – zur Unterstützung der Verkehrsunternehmen,  aber auch der Kommunen bei der Finanzierung des ÖPNV. Zudem sind Vorkehrungen zu treffen, dass nach dem Lockdown möglichst schnell wieder Fahrgäste zurück gewonnen werden können, auch zusätzliche Angebote helfen hierbei.”

    Rainer Sauter berichtete anschließend über die Entwicklung der Fahrgastzahlen: Hierbei sei der Ticketverkauf fast um die Hälfte zurückgegangen. „Über die Hälfte der Fahrscheine sind Abos, diese sind hingegen leicht gestiegen”, so Rainer Sauter, der hinzufügte: „Beim sehr deutlichen Rückgang an Fahrgastzahlen muss beachtet werden, dass von März bis Juni keine Fahrscheine verkauft wurden. Insgesamt liegt der Rückgang an Fahrgastzahlen bei 35 Prozent.” 

    Bezüglich der Situation der Sicherheit der Fahrer und der Corona-Schutzmaßnahmen stellte er klar, dass der Fahrer in einer eigenen Klimazone sitzt, die Belüftung ist durch eine Plexiglasscheibe vom Fahrgastraum getrennt. „Wir haben 250.000 Euro in diesen Schutz investiert und hierfür eine Förderung von 75.000 Euro erhalten. Der Schutz der Fahrer stand an erster Stelle, ebenso wie der Schutz der Kunden. Hierzu haben wir auch verdichtete Reinigungsintervalle mit virentötenden Infektionsmitteln eingeführt. Und seit der Pflicht des Tragens von medizinischen Masken haben wir Masken durch den VRN gestellt bekommen, die wir in den Bussen verteilen. Grundsätzlich haben wir versucht, die Ausbreitung der Infektion mit vielen Dingen zu vermeiden. Der ÖPNV ist keine Virenschleuder, unsere Maßnahmen greifen”, betonte Rainer Sauter, der darf verwies, dass der Luftaustausch im Bus in vier Minuten funktioniert. „Die Busse sind nicht so voll, wie wir es gerne hätten. Daher ist es wichtig, dass wir unsere Fahrgäste wieder zurückgewinnen wenn die Impfungen weiter vorangeschritten sind. Denn die Fahrgasteinnahmen sind elementare Einnahmen für uns.” Hier sei geplant, dass Angebot an die Gegebenheiten anzupassen – E-Mobilität spiele dabei ebenso eine Rolle wie das angepasste Angebot an sich ändernden Berufszeiten. „Der schneller Austausch im Kreis hat sich bewährt, wir haben sehr gut Hand in Hand gearbeitet”, dankte er abschließend dem Kreis und den beteiligten Verkehrsunternehmen. Benjamin Kloos 

     
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