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Fr., 13. Mai 2016, 10:22 Uhr
Mitgliederversammlung im Zwiespalt zwischen Neuanfang und Aufgeben
Wirtschafts- und Verkehrsverein (WuVV) mit kommissarischem Vorstand
Das Lampertheimer Spargelfest ist ein kultureller Höhepunkt, an dem auch der Wirtschafts- und Verkehrsverein mitwirkt. Vorsitzender Otto Edinger (vorne) war beim Spargelschäl-Wettbewerb im vergangenen Jahr als Mitglied der Jury im Einsatz. Archivfoto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – „Wenn es den Wirtschafts- und Verkehrsverein nicht geben würde, müsste man ihn erfinden“. Wahlleiter Gottlieb Ohl fand diese aufmunternden Worte, nachdem sich aus dem Kreis der versammelten Mitglieder und des amtierendem Vorstandes keine Kandidaten für den zu wählenden Vorstand gemeldet hatten. Wie gesetzlich in einer solchen Lage vorgesehen, bleibt der bisherige Vorstand nun bis zu einem Jahr kommissarisch im Amt. Diese reguläre Mitgliederversammlung am Donnerstagabend in den Räumen des „ates“ Hotels im „Bistro Flair“ war nur von einem guten Dutzend stimmberechtigter Vereinsmitglieder besucht, bei einem aktuellen Stand von 72 Mitgliedern und vier Ehrenmitgliedern - gegenüber dem Vorjahr ein leichter Teilnehmerrückgang und Mitgliederschwund. Die kommissarische Leitung wurde bei fünf Enthaltungen beschlossen. Allerdings hatte der WuVV an diesem Donnerstagabend mit dem gleichzeitig tagenden, kurzfristig terminierten Arbeitskreis Innenstadt des Stadtmarketing zur Besprechung des verkaufsoffenen Sonntags am 8. Mai eine Konkurrenz bekommen. WuVV-Vorsitzender Otto Edinger betonte, dass der Termin für die Mitgliederversammlung dagegen seit zwei Monaten allgemein bekannt gewesen sei. Bürgermeister Gottfried Störmer habe nicht zur Mitgliederversammlung kommen können, weil er am Jahresempfang der Bürgerstiftung teilnehme, deren Stiftungsratsvorsitzender er kraft Amtes ist. In einer Stellungnahme vor Einleitung des Wahlvorgangs rief Vereinsvorsitzender Edinger in Erinnerung, dass der WuVV auf kulturellem Gebiet viel in Bewegung gebracht, initiiert und umgesetzt habe. „Man braucht dafür aktive Mitglieder“, gab Edinger zu bedenken. Gerade die kleinen und mittelständischen Betriebe, wie sie im WuVV vertreten sind, schafften Beschäftigung und tragen zum Wohlstand des Landes bei, betonte Edinger. Kassenwart Klaus-Dieter Henners wollte nicht mehr kandidieren, weil es ihm nicht gelungen sei, die Mitglieder zu motivieren. Im kurzen Bericht des Vorstandes, den Lisa Scherdel vortrug, ging es vorwiegend um die jährlich wiederkehrenden Aktivitäten und Aufgaben rund um das Spargelfest, die Teilnahme an Veranstaltungen von IHK und Wirtschaftsförderung Bergstraße. Der WuVV, der im Festausschuss und im Spargelrat vertreten ist, beteiligte sich auch wieder an der Ausstattung der Spargelkönigin. Gemeinsam mit dem Kulturamt und Stadtmarketing sei der Spargelfestflyer mit dem Programm erstellt worden. Die Lebenshilfe wurde mit einer Spende von 500 Euro bedacht. Bei der Bürgerbefragung habe der WuVV seine Hilfe angeboten. In Sachen Geselligkeit war der WuVV-Stammtisch „on tour“ nach Worms, besichtigte eine Brauerei und Druckerei. Nur wenige Teilnehmer hätten sich bei der Projektgruppe Gewerbeschau gemeldet, die deswegen nicht stattfand. Kassenprüfer Nunzio Galvagno zeigte sich mit der Kassenführung sehr zufrieden und beantragte die Entlastung der Vorstands, die einstimmig gewährt wurde. Soll sich der WuVV nicht lieber auflösen? Diese Frage stand ausdrücklich im Raum. Ein Mitglied wandte sich an den Vorstand: „Ihr habt viel gemacht, aber keiner ist aufgesprungen“. Kassenwart Henners sprach sich dafür aus, weiter zu versuchen mehr Mitglieder zu aktivieren „oder der Verein wird aufgelöst“. Doch der nunmehr kommissarische Vorsitzende Edinger setzte dieser Tendenz ein Feuerwerk an Ideen entgegen und hielt ein leidenschaftliches Plädoyer für den Wirtschafts- und Verkehrsverein als notwendige starke Stimme der Lampertheimer Wirtschaft in einer Zeit politischer Entscheidungen wie Obergrenzen von Barzahlungen und Abschaffung von Bargeld - denn beides widerspreche den Interessen von Kunden, Gewerbe und Handwerk. In diesem Sinne hatte auch Referent Clemens Schäfer von der IHK Darmstadt Rhein Main Neckar zu Beginn der Mitgliederversammlung in seinem Vortrag „Quo vadis Bargeld?“ eine Vielzahl von Argumenten vorgelegt. Unter dem Stichwort „ein klares Signal senden“ regte Vorsitzender Edinger statt einer zentralen Gewerbeschau eine dezentrale Variante an, mit gemeinsamer Präsentation an einem jährlichen oder halbjährlichen „Tag der offenen Tür“ und Gemeinschaftswerbung an. Dabei solle jedoch jeder Betrieb in eigener Verantwortung für Attraktionen und Bewirtung sorgen. „Gemeinsam etwas bewegen“ - mit diesem Leitsatz will Edinger die Mitglieder für die Zukunft motivieren. Ein Beispiel für den Nutzen gemeinsamer Anstrengungen stellte Fährkapitän Werner Reuters mit der Aktion gegen die Altrheinverschlammung vor, die er und Edinger aktuell zusammen mit fachanwaltlicher Unterstützung auf den Weg gebracht haben. Die Diskussion über den zukünftigen Kurs war auch nach über zweieinhalb Stunden nicht beendet. Hannelore Nowacki