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Mo., 01. August 2016, 22:52 Uhr
300 Jahre Marktrechte – gut besuchter historischer Markt im Heimatmuseum
Wo Honig, frisches Brot und Seifenduft lockten
Zur offiziellen Eröffnung des historischen Marktes im Innenhof des Heimatmuseums sprach Vereinsvorsitzende Margit Karb, an ihrer Seite Marion Thiel mit Tochter Luisa und Otto Edinger. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Vor 300 Jahren, am 27. Juli 1716, wurden dem damals tausend Einwohner zählenden Dorf Lampertheim vom Wormser Fürstbischof die Marktrechte verliehen. In der Veranstaltungsreihe zu diesem Jubiläum öffnete das Heimatmuseum am Sonntagvormittag das Tor für einen historischen Markt. Margit Karb, Vorsitzende des Heimat-, Kultur- und Museumsvereins, eröffnete den Markt stilgerecht in Schürze mit dem Wunsch, dass alle „gute Geschäfte machen“. Lampertheim sei damals ein bescheidenes Dörfchen gewesen, im Übergang vom Barock zum Rokkoko, erklärte sie der Zuschauerrunde. Damals sei die Verleihung der drei Marktrechte ein großes Ereignis gewesen – wenn auch das Marktgeschehen über die Jahrhunderte ein Auf und Ab verzeichnete. Am Sonntag war es ein Hoch, denn bei schönem Sommerwetter ohne Regen trudelten zahlreiche Besucher ein. Gemütlich war es auch, Tische und Bänke waren zum Verweilen aufgebaut, zur Erfrischung wurden kalte Getränke ausgeschenkt. Besonders gut schmeckt der kalte alkoholische Gerstensaft aus einem Tongefäß fand der Heidelberger Töpfer Hans Däschner, der außer keramischen Trinkgefäßen feurige Drachen und anderes glänzend gebranntes Fabelgetier zum Verkauf mitgebracht hatte. Unter dem großen Nussbaum im Museumshof bot der Lampertheimer Imker Gerhard Wiegand seinen Bienen einen schattigen Aufenthalt. Im Verkauf hatte er verschiedene Honigsorten vom frühen cremigen Blütenhonig bis zum würzigen flüssigen Tannenhonig. Heinrich Karb, Ehrenvorsitzender des Heimat-, Kultur- und Museumsvereins und Autor nicht nur der in dieser Veranstaltungsreihe gespielten Mundartstücke, hörte den Erklärungen des Bienenfachmanns zu. Vor 300 Jahren sammelten die Bienenvölker noch in der Klotzbeute den Honig, später siedelten die Imker die fleißigen Honigsammlerinnen in den charakteristischen runden Körben an, die es heute nur noch vereinzelt in der Lüneburger Heide gebe. Bekömmlich war diese Haltung für die Bienen nicht, nur ein Drittel der Völker durfte den Winter über weiterleben, gefüttert wurde mit dem kostbaren Honig. In den modernen Wabenmagazinen lebt die Königin, versorgt von ihren Arbeiterinnen, die auch die Waben mit Honig füllen. Und im Bienenwinter, der mit Ende der Blühzeit schon im Sommer beginnt, füttert sie der Imker komfortabel mit Zucker. Noch vor 300 Jahren hatten die Bienen den honigversessenen Bären zum Feind, erklärte Imker Wiegand. Selbst gefertigte Seifen, die lecker duften und aussehen, hatte Marion Thiel in Körbchen und Stapeln ausgebreitet, voller Begeisterung dabei war Töchterchen Luisa. Mit einem Häubchen, wie es die Frauen vor 300 Jahren auf dem Markt getragen haben mögen, hielt es die Mama bei der sommerlichen Hitze jedoch nicht lange aus. Seifen mit Milch und Honig oder vegan völlig ohne tierische Zutaten bot sie feil. Zum historischen Ambiente gehörte eine Waschschüssel aus Porzellan mit Kanne, schön anzusehen, aber heute nicht mehr gefragt. Am Stand von Christa Weiß fanden die Besucher und Käufer Holzschnitzarbeiten von Helmut Weiß, vor allem zur Verschönerung des Heims, aber auch Schmuck und Holzkämme. „Das beste Brot kommt immer noch aus dem Holzfeuer“, meinte Mario Edinger, der gerade ein paar Knusperbrote über Feuer im modernen Ofen buk. Für die Flammkuchen aus dem Holzbackofen schnippelte er schon mal die Zutaten. Zwar gibt es auf dem ehemaligen bäuerlichen Hof einen großen gemauerten Backofen, doch der ist außer Betrieb und müsste kostenaufwändig restauriert werden, war aus Vereinskreisen zu hören. In der gemütlichen Atmosphäre des Innenhofs entwickelte sich reges Markttreiben mit Gesprächen, wie sie dazugehören. Die Räume des Heimatmuseums waren zur Besichtigung geöffnet, im Garten konnte der Blick von der Rundbank aus ins Grüne schweifen. Hannelore Nowacki
Imker Gerhard Wiegand, im Bild mit Heinrich Karb, erklärte die Bienenhaltung in früheren Zeiten und die moderne Imkerei. Foto: Hannelore Nowacki