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  • Do., 01. September 2022, 08:41 Uhr
    BAUEN: Landrat Engelhardt und Bürgermeister Störmer besuchten 2. Bauabschnitt „Wormser Landstraße“ und Problemfall „Gleisdreieck“

    Wohnungsbau im „Gleisdreieck“ mit roter Linie 

    Treffen am „Gleisdreieck“ an der Ringstraße – Bürgermeister Gottfried Störmer (rechts), Landrat Gottfried Störmer und SEL-Geschäftsführerin Anja Kohl sprachen über den geplanten Wohnungsbau und das Problem des 400-Meter-Abstands. Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Eine erfreuliche Entwicklung stellten Bürgermeister Gottfried Störmer und Landrat Christian Engelhardt am Dienstag bei ihrem Besuch am Gewerbegebiet „Wormser Landstraße“ fest. Bagger und Baufahrzeuge waren angekommen und die Baucontainer für die Bauarbeiter bereits aufgestellt. Die Erschließung der 6 Hektar oder 60.000 Quadratmeter großen Fläche soll bis Sommer 2023 abgeschlossen sein. Projektleiterin Anja Kohl, die auch die Stadtentwicklung Lampertheim (SEL) und die Beteiligungsgesellschaft der Stadt Lampertheim als Geschäftsführerin leitet, erläuterte anhand eines Übersichtsplans den Bebauungsplan für den 2. Bauabschnitt der „Wormser Landstraße“ am Wilhelm-Herz-Ring.  Sie berichtete von großem Interesse sich hier anzusiedeln, fünf Firmen hätten fest zugesagt, was etwa 20 Prozent der vorhandenen Fläche bedeute. Für die Eidechsen sei schon eine Ersatzfläche geschaffen worden. Für Logistik-Riesen, die viel Verkehr verursachen, sei hier kein Platz, wie Bürgermeister Störmer mit Hinweis auf seine lange bekannte Einstellung zu diesem Thema auf Nachfrage bekräftigte. Vorgegeben sei für Betriebe eine Mindestabnahmefläche von 1.500 Quadratmetern und eine maximale Fläche von knapp 20.000 Quadratmetern, die bei Bedarf parzelliert werden könnten. Engelhardt wollte anlässlich seines Besuchs im Rahmen seiner mehrmonatigen Tour durch den Kreis Bergstraße seit Beginn seiner zweiten Amtszeit mit Störmer über aktuelle Themen sprechen, die für Kreis und Kommune von Bedeutung sind, wie die Gewerbeansiedlung auf knappen Flächen und den Wohnungsbau, für den ebenfalls nur noch wenige Flächen im beliebten Zuzugsgebiet Kreis Bergstraße zur Verfügung stehen, wie Landrat und Bürgermeister betonten. Vermeiden möchte Engelhardt, dass leistungsfähige Firmen, deren Geschäfte gut laufen und die sich am Standort vergrößern wollen, wegziehen. Wachstum müsse weiterhin möglich gemacht werden, zumal Gewerbe Einnahmen bei Kommunen und Kreis schaffe. Im Konflikt von mehr Gewerbeflächen und Natur sieht Engelhardt keinen unlösbaren Widerspruch, es komme auf kluge Bepflanzung und Vermeidung unnötiger Flächenversiegelung an. Bürgermeister Störmer kündigte an, den Bebauungsplan in der nächsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung zur Beschlussfassung vorzulegen, der PV-Anlagen, Grünanlagen und anderes beinhalten werde. Entsprechend der baden-württembergischen werde die städtische Richtlinie gestaltet. Preislich hat sich seit dem 1. Bauabschnitt einiges getan, wie Störmer ausführte: Damals habe die Stadt einen subventionierten Preis von 80 bis 90 Euro pro Quadratmeter verlangt, das sei wegen der gestiegenen Kosten nicht zu halten gewesen, deshalb liege der Verkaufspreis im Bauabschnitt 2 aktuell bei 220 Euro pro Quadratmeter, im Ergebnis für die Stadt „eine schwarze Null“. Für das Gewerbe vorteilhaft mit kurzer Anbindung an die A 6 sei die baldige Rosengarten-Umfahrung nur zwei Kilometer nördlich des Bauabschnitts 2. Zum Thema Wohnungsbau war der nächste Treffpunkt das „Gleisdreieck“ bei der Kita Farbenfroh an der Ringstraße. 

    Die Erschließung des 2. Bauabschnitts der „Wormser Landstraße“ beginnt. Foto: Hannelore Nowacki


    Problemfall „Gleisdreieck“

    Eigentlich wäre das geplante Neubaugebiet „Gleisdreieck“ von der Größe her ein Glücksfall für die Wohnbebauung und würde zur Entlastung des Wohnungsmarktes beitragen. Doch zurzeit liegt hier ein Problemfall vor, im Übersichtsplan durch die eingezeichnete rote Linie erkennbar. Nur die kleinere Fläche könnte nach aktuellem Stand bebaut werden, die größere Fläche des Acker- und Brachlands mit 60 Prozent der Gesamtfläche wäre für den Wohnungsbau verloren, wenn weiterhin die hessische Abstandsrichtlinie von 400 Metern für Höchstspannungsleitungen bleiben sollte und die von Stadt, Kreis und Anwohnern geforderte Trassenverschwenkung oder besser die Erdverkabelung nicht käme. Andererseits darf nach derzeitiger Gesetzeslage die zukünftige Ultranetleitung der Firma Amprion nur wenige Meter am bestehenden Wohngebiet vorbeiführen. Landrat Engelhardt sagt dazu: „Das zeigt die Absurdität dieser Rechtslage“. Damit trifft er die Einschätzung Störmers, der das nicht nachvollziehbar findet und das Land Hessen wegen der bislang verweigerten Ausnahmeregelung für das „Gleisdreieck“ kritisiert. Die Trassenverlegung würde Amprion nur eine Million Euro mehr kosten, nämlich für einen Mast und mehr Kabel. Eine ähnliche Problemlage gebe es auch an in Hofheim Im langen Gräbel, dort würde die Hälfte der vorgesehenen Fläche für Wohnbebauung entfallen und am Sportzentrum Ost immerhin noch 10 Prozent. Auch Landrat Engelhardt will diese Lage nicht hinnehmen. Wohnungsbau für alle Bevölkerungsgruppen sei notwendig, betonte er, auch für Fachkräfte, die hier keinen Wohnraum finden und für die Integration von Flüchtlingen. Wie Störmer sieht er die Notwendigkeit in die Höhe zu bauen, mit Anpassung an den stattfindenden Klimawandel und unter Beachtung von Frischluftschneisen für die Innenstadt. Anja Kohl wies auf vorgesehene Grün- und Versickerungsflächen hin, bei Starkregen fließe das Wasser nicht in den Kanal, sondern werde an der Oberfläche verteilt. Die Nachfrage nach Grundstücken und Wohnraum sei stark in dieser prosperierenden Region, betonte Störmer. „Wir müssen uns entwickeln – wir müssen soziale Strukturen mit Kitas, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und medizinischer Versorgung schaffen“. Bliebe die Flächeneinschränkung, würden 600.000 bis 800.000 Euro an Einkommenssteueranteilen verloren gehen. Landrat Engelhardt lobte „das Augenmaß“ in Lampertheim bei der Ausweisung von Bauland. Hannelore Nowacki

     

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