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Do., 27. Januar 2022, 14:43 Uhr
8ER-RAT: Jugendliche aktiv mit eingebunden / Zahlreiche konstruktive Ideen zur Gestaltung der Stadt eingebracht
Wunsch nach Jugendtreffpunkten und Traumbasketballplatz
Der 8er-Rat hat viele konstruktive Wünsche und Ideen eingebracht – weit obern auf der Liste steht ein Traumbasketballplatz. Foto: www.pixabay.com
LAMPERTHEIM – Am Donnerstag beteiligten sich über 140 Schülerinnen und Schüler der 8. Klassen des Lessing-Gymnasiums, der Alfred-Delp-Schule und des Litauischen Gymnasiums am 8er-Rat. Dieses besondere Format ermöglicht es den beteiligten Schülerinnen und Schülern, ihre Vorstellung, Wünsche und Ideen gemeinsam mit der Politik und der Stadtverwaltung Lampertheim umzusetzen. Die Premiere, die aufgrund der aktuellen Situation leider digital stattfinden musste, war dabei überaus erfolgreich – auch und gerade dank des außergewöhnlichen Engagements der Jugendlichen, die konstruktive Lösungen für ein jugendfreundliches Lampertheim aufgezeigt haben.
Nachdem die erste Konferenz im letzten Jahr in einem digitalen Format durchgeführt und damit den Auftakt für den 8er-Rat darstellen konnte, stand nun die zweite Konferenz an. Hierbei bestand die Möglichkeit, in themenbezogenen Gruppen an einem (Herzens)Projekt zu arbeiten und diese Gästen aus den Bereichen Politik, Verwaltung und dem Jugendbeirat vorzustellen und dadurch eine Ansprechperson oder Begleitung für das eigene Projekt zu finden.
Insgesamt gab es 16 Präsentationen, bei denen unter anderem die Themen Busverkehr, Verkehrssicherheit, der Klimaschutz, das Thema Müll aber auch der Wunsch nach Jugendtreffpunkten und Traumbasketballplatz. Auf positive Resonanz bei allen, die das Projekt begleitet haben, stieß die Tatsache, dass nicht nur Forderungen gestellt, sondern eigene Ideen eingebracht wurden um Lösungen zu finden. Die Präsentationen werden nun aufbereitet und an die entsprechenden Gremien weitergeleitet, zudem wurden und werden den Schülerinnen und Schülern mögliche Ansprechpartner für ihre Anliegen genannt. Alle Beteiligten sind gespannt, welche Projekte in Lampertheim umgesetzt werden – verbunden mit der Hoffnung, dass sich die Jugendlichen weiter einsetzen werden.
Aus den Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung waren Vertreter in den Gruppen um sich selbst ein Bild zu machen und um entsprechende Wünsche der Jugendlichen mitzunehmen. Melanie Krämer (FDP) war davon begeistert, wie viel Mühe sich die Jugendlichen gemacht haben. „Ihr habt einen anderen Blick als wir. Die Idee eines Basketballplatz unter der Europabrücke für schlechtes Wetter finde ich toll, darauf wäre ich nie gekommen.“ Enttäuscht zeigte sie sich zu den Wünschen bezüglich eines Jugendtreffs: Diesen gibt es in Form der Zehntscheune eigentlich bereits, es ist schade dass dieser so wenig bekannt ist.”
Für Lara Strubel (SPD) hatten die Jugendlichen viele spannende Themen parat, von der Sicherheit am Bahnhof über das Freizeit- bis zum Schulangebot. Und Alexander Scholl (CDU) lobte, dass sich die Jugendlichen viel Arbeit gemacht und sehr gute, wichtige Ideen eingebracht haben.
Den Schülerinnen und Schülern selbst hat das Projekt der gut gefallen. „Es hat uns weitergebracht”, waren sich Emily und Silas einig, und Leni fand es „richtig toll, Präsentationen halten zu können und Themen, die einen interessiert haben, so noch zu vertiefen.”
Der Erste Stadtrat Marius Schmidt freute sich über „viele wertvolle Ideen und die Haltung der Jugendlichen.Man muss den Mut haben, Missstände anzusprechen und diese konstruktiv lösen zu wollen. Ich habe einen ganz überragenden Eindruck gewonnen und bin richtig stolz, dass uns diese Form der Jugendbeteiligung gelungen ist” – als erster hessischen Kommune, die sich auf dieses Experiment eingelassen habe. „Wir nehmen ganz viele Anregungen mit, es liegt jetzt an uns, diese Botschaften umzusetzen.”
Bürgermeister Gottfried Störmer lobte die lebensnahen Ideen und bat um Unterstützung, das man weitermacht: „Bitte nicht nachlassen, geht auch über das Format des 8er-Rates hinaus auf Politik und Verwaltung zu.”Wenn die Projekte umsetzbar seien, werde die Verwaltung gerne zur Umsetzung beitragen. Alles sei aber nicht machbar, da auch rechtliche und gesetzliche Hintergründe eine Rolle spielen würden. Gerade bei besonderen Treffpunkten für Jugendliche müssten diese auch wirklich geeignet sein, gerade auch mit Blick auf die Nachbarn. „Mein Wunsch ist aber, dass die Jugendlichen dranbleiben und immer wieder nachfragen.”
Der Jugendbeirat Lampertheim sieht den 8er-Rat nicht als Konkurrenz, sondern als Chance, dass mehr für Jugendliche in Lampertheim getan wird, wie dessen Vorsitzender Arne Jaedke betonte. Vielmehr sei er eine Bereicherung und eine Bestärkung der eigenen Arbeit. „Viele Projektgruppen waren deckungsgleich mit dem, woran wir bereits arbeiten, wie etwa den Jugendtreffplätzen. Wichtig ist vor allem die Teilhabemöglichkeit und wie diese genutzt wird – dies ist mit viel Herzblut und Leidenschaft geschehen. Wir möchten die Schülerinnen und Schüler gerne weiter mit einbeziehen und sind über Instagram ansprechbar sowie per E-Mail unter Jugendbeirat@stadt-lampertheim.de zu erreichen. Gerne kann man uns aber auch einfach auf der Straße ansprechen. Toll, dass die Stadt diese Beteiligungsmöglichkeit so anbietet und das Demokratieverständnis früh fördert.”
Aus Sicht der Lehrer war die Art der politischen Partizipationsmöglichkeit einmalig. Der 8er-Rat biete den Schülern eine Bühne um sich zu artikulieren. Dadurch fühlten sich diese wahr- und ernstgenommen und mit ihren Ideen und Sorgen erstmals sichtbar. Hervorgehoben wurde in diesem Zusammenhang auch die verpflichtende Teilnahme. Dabei hatten die Jugendlichen zu weiten Teilen Lust und sind bereit, auch in ihrer Freizeit Engagement zu zeigen, wenn sie sich ernst genommen fühlen. Wichtig war: „Die Jugendlichen wurden gehört, wir hoffen im nächsten Schuljahr auf Präsenzveranstaltung”, waren sich alle Beteiligen einig.
Silke Reis von der Stadtverwaltung hatte zum Abschluss noch eine weitere positive Nachricht mit dabei. „Die Jugendlichen habe eindrucksvoll vorgemacht, wie man sich einbringen kann. Wir wollen auch für Erwachsene ein solches Angebot anbieten in Form eines Bürgerrates, der ’Lampertheim lass mal reden’ heißt. Da die Zielgruppe hierbei viel größer ist, wird es ein Losverfahren geben. 100 Personen aus Lampertheim werden ausgewählt. Diese Bürger sollen einen Abend lang in einen Austausch treten und Themen mit Vertretern der Verwaltung diskutieren. Die Bürger haben danach bei einem Workshop die Möglichkeit, weiter an den Themen zu arbeiten und den Prozess zu begleiten.” Benjamin Kloos