Sa., 05.09.2026
Die Gratiszeitung für Lampertheim und das hessische Ried
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Fr., 04. September 2026, 15:51 Uhr
    FRIEDENSWÜNSCHE: Stadt Lampertheim organisierte erstes interreligiöses Friedensgebet am Antikriegstag / Flug der Friedenstaube

    Zeichen des Friedens in Impulsen und Gebeten

    Lieder passend zum Thema Frieden hatte die Band der Musikschule im Repertoire, denen die Besucher lauschten.
    Foto: Hannelore Nowacki

    LAMPERTHEIM – Auf dem Europaplatz ging es am frühen Dienstagabend um ein ernstes Thema, den Frieden, der vielfach ersehnt wird, aber nicht so einfach kommt. Zusammen für Frieden, Respekt und Miteinander am Antikriegstag, gemeinsam ein Zeichen setzen: Darum ging es beim ersten interreligiösen Friedensgebet auf dem Europaplatz, das die Stadt Lampertheim mit mehreren Glaubensvertretungen im Rahmen des „Interreligiösen Dialogs“ organisiert hatte. So war es auch auf dem Flugblatt der Stadt Lampertheim zu lesen. Fachdienstleiterin Soziales Anke Heyber hatte gemeinsam mit Kristina Delceva, ebenfalls vom Fachdienst Soziales, ein ansprechendes Rahmenprogramm auf die Beine gestellt. Viele ehrenamtliche Helfer haben sie dabei unterstützt, denen Heyber für ihr Engagement dankte. Die Musikschule Lampertheim hatte mit der Band „Pace of Life“ die eindrucksvolle musikalische Begleitung übernommen, mit dabei Musikschulleiter Joachim Sum an der Gitarre. Passend zum Thema Frieden hatte Bandleader Stephan Selle die Stücke ausgesucht, wie er den Zuhörenden mitteilte. Die Glaubensvertreter und zahlreichen Besucher stimmte die Band gefühlvoll mit dem Lied „We Are The World“ ein, das seit 1985 um die Welt geht, verstärkt vom Schlagerchor der Musikschule. Später folgte eine musikalische Botschaft von Udo Lindenberg, der sein Antikriegslied mit der Frage „Wozu sind Kriege da?“ 1981 auf dem Höhepunkt der damaligen Friedensbewegung veröffentlicht hatte.

    In seiner Begrüßungsrede berichtete Bürgermeister Alexander Scholl (CDU), dass die Idee zu diesem besonderen Friedensgebet im vertrauensvollen Austausch in der Integrationskommission entstanden sei. Dass die Veranstaltung am offiziellen Antikriegstag stattfindet, sei eine ganz bewusste Entscheidung gewesen. Scholl sprach sich dafür aus, sich Tag für Tag für den Frieden einzusetzen und einzustehen. Wichtiger denn je sei auch der Dialog. Fachdienstleiterin und Moderatorin der Veranstaltung Anke Heyber hatte für den interreligiösen Dialog alle Glaubensgemeinschaften und Kirchengemeinden angeschrieben. Diejenigen, die dem Ruf gefolgt waren, hatten in drei Treffen das Friedensgebet vorbereitet. Die Bürgerinnen und Bürger waren herzlich eingeladen, aktiv mitzumachen und ihre persönlichen Friedenswünsche aufzuschreiben. „Wofür beten Sie?“ Auf diese Frage zeigten die beschrifteten Kärtchen viele Antworten. Die dekorativen weißen Laken am Bauzaun mit aufgemalter Friedenstaube und rotem Herz gaben den Hintergrund. Vorsichtig gingen die Teilnehmer am blütenumrankten Holztablett vorbei, das bewusst auf dem Boden platziert war und in großen Lettern auf Holzscheiben zum „FRIEDEN“ aufrief. Unter dem Zeltdach der Vertreter der Al Arkam-Moschee aus Worms schickten frisch gebackene Waffeln ihren Duft über den Platz, für die Durstigen hatte das E-Center Jochum Getränke bereitgestellt. Die Spendeneinnahmen kommen der Lebenshilfe Lampertheim zugute.

    Bürgermeister Alexander Scholl und die weiße Friedenstaube lächelten in die Kamera, dann stand der Abflug in himmlische Höhen auf dem Programm.
    Foto: Hannelore Nowacki

    Zeichen des Friedens, Impulse und Gebete

    Eine weiße Friedenstaube symbolisiert besonders eindrucksvoll die Vorstellung von Frieden, Neubeginn und Versöhnung. Eine solche Friedenstaube entließ Bürgermeister Alexander Scholl aus seinen Händen Richtung Himmel, die Blicke der Zuschauer wanderten ihrem Flug am Stadthaus vorbei hinterher. Ein Strahlen hatte diese Aktion in die Gesichter gezaubert. Die Taube machte sich auf den Heimweg. Zu einem stillen Gebet hatte Heyber die Besucher aufgerufen, bevor die Vertreter der Religionsgemeinschaften ihre Gedanken und Gebete zum großen Thema Frieden zu Gehör brachten. Für die katholische Pfarrei Alfred Delp sprachen Michael Held und Birgit Steube. Nach Matthäus zitierte Held „Selig sind die, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt“. Frieden sei eine Aufgabe zum Brückenbauen, um das Verbindende über das Trennende zu stellen. Jeder könne mit Respekt dazu beitragen, sagte Steube, dann wachse Frieden und die Bereitschaft aufeinander zuzugehen. Miteinander reden, das ist auch ein Anliegen von Pfarrer Marian Silaghi, der für die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde sprach. Dass Versöhnung gelingen kann, machte er am Beispiel des deutsch-polnischen Verhältnisses und der Lampertheimer Städtepartnerschaft mit Świdnica deutlich, nachdem Polen von Nazi-Deutschland vor 87 Jahren, am 1. September 1939, überfallen worden war, der Beginn des Zweiten Weltkriegs. Im Gebet vertiefte er sein Anliegen. Burkhardt Magin, der erste Vorsitzende des Islamischen Kulturvereins Worms, meinte, dass das Zusammenleben im Alltag doch recht gut gelinge, auch sei der Friede ein Anliegen aller Religionen, auch seiner. „Friede sei mit dir“ sage auch der Gruß. Eine Lesung aus dem Koran rundete seinen Vortrag ab.

    Der Friede sei eine himmlische Gabe, betonte Justin Emrekovic von der Serbisch-Orthodoxen Kirche aus Mannheim. Der Imman der Ahmadiyya Muslim Gemeinde Lampertheim sprach ein Gebet aus dem Koran. Einander mit Güte zu begegnen und einander Verständnis entgegenzubringen erbat er von Allah. Eine leidenschaftliche Ansprache hielt Pfarrer Thomas Höppner-Kopf von der Evangelischen Kirchengemeinde. „Friede sei mit euch“ habe Jesus zu seinen Jüngern gesagt, dieser Gruß gehöre eigentlich in den normalen Alltag, empfahl er und bat die Zuhörer, sich mit dem Gruß sogleich dem zunächst Stehenden zuzuwenden. Aus Bickenbach waren Jugendliche der Deutsch-Indischen kulturellen Verbindung gekommen, die im Chor ein Mantra vortrugen und die Bedeutung auf Deutsch erklärten. Um drei Frieden gehe es, um den „Frieden in uns, um uns und in der ganzen Welt – Friede, Friede für alle“. Frieden sei keine Utopie, bekräftigte Anke Heyber das gemeinsame Bemühen. Nach dem offiziellen Teil waren alle eingeladen zum Verweilen mit Gesprächen, musikalisch begleitet von der Band. Der Bauzaun entlang des einsturzgefährdeten „Schwanen“ war bereits aufgestellt, um Passanten zu schützen.

    Hannelore Nowacki

    Bildergalerie

    Beitrag aus der Rubrik

    » Lampertheim und Stadtteile
    Anzeige Online StellenmarktAnzeige dkge 1x1Anzeige dkge 2x2
    Anzeige TicketshopAnzeige NK Worms und RheinhessenAnzeige 3 Anzeige - 2