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Di., 07. August 2018, 09:48 Uhr
Wasserraketenbau der IG UL Fliegen ein voller Erfolg / Große Resonanz trotz Hitze
Zischende Raketen über dem Bürstädter Flugplatz
Die Wasserrakete von Noemi Mertz flog am Besten. Foto: oh
BÜRSTADT – Wenn es bei strahlendem Sonnenschein und bei über 30 Grad im Schatten 30 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren den ganzen Tag auf dem Bürstädter Flugplatz aushalten und um 19 nur widerwillig mit den Eltern nach Hause gehen, zeigt das deutlich, das Kinder ein natürliches Interesse an selbständigem, zielgerichtetem Werken, Basteln, Ausprobieren und Erforschen haben.
Das alles konnten sie im Rahmen der diesjährigen Ferienspiele bei den Bürstädter Ultraleichtfliegern an drei Tagen ausprobieren, erfahren und ausleben.
Los ging es Anfang Juli mit einer halbtägigen Einführung in den Wasserraketenbau. Hier sammelten die Teilnehmer erste Erfahrungen und Erfolgserlebnisse beim Bau und Start der ballistischen Flugkörper. Zu dem versprochenen Kartoffelfeuer ist es an diesem ersten Tag nicht gekommen – es musste ja entworfen, gesägt, geklebt, betankt und die Raketen abgeschossen werden. Als Mittagessen musste da die berühmte Fleischwurst mit Brötchen herhalten. Weiterentwickeln, verbessern, selbständig arbeiten sollten die Teilnehmer dann zu Hause, um bei der Abschlussveranstaltung am 3. August zu ermitteln, welche Rakete am höchsten bzw. am längsten in der Luft ist.
Mitte Juli fand dann der Besuch im Technik Museum Speyer statt, wo große Raketen und andere technische Geräte im wahrsten Sinne des Wortes „begriffen“ werden konnten.
Am vergangenen Freitag war es dann soweit. Schon morgens um 9 Uhr fuhren Kinder mit Ihren Fahrrädern und Wasserraketen auf dem Gepäckträger zum Bürstädter Flugplatz an der verlängerten Forsthausstraße. In Empfang genommen wurden sie von Stefan Winkler und Wilfried Lausecker. Auf die Frage, was es denn mittags zu essen geben sollte, wurde von allen „Kartoffel in der Schale aus dem Kartoffelfeuer“ gefordert.
Zuerst wurde die Startrampe aufgebaut, Verlängerungskabel und Wasserschläuche verlegt, für das Mittagessen Kartoffeln und Getränke besorgt, neue Raketen gebaut und die alten verbessert. Nach dem Essen gab es erstmals den Film „ Quax der Bruchpilot“ – geschlafen haben die Kinder dabei nicht, denn es wurden ständig Fragen gestellt.
Jedes Kind wollte anschließend mit dem Kinderflugzeug des Luftsportvereins zusammen mit Christian Bitsch die Landebahn hoch und runter fahren. Dabei darf es kein Gedränge geben, man muss vom Propeller wegbleiben, man muss Rücksicht nehmen, die Kleineren vorlassen, auf den Kameraden aufpassen– alles wurde diszipliniert durchgeführt.
Gegen 17 Uhr begann dann der große Wettbewerb. Die Eltern und Großeltern waren mittlerweile eingetroffen und alle schauten sich die Präsentation des Raketfued- Teams aus Ludwigsburg an. Christoph und Julian, gerade mal 20 Jahre alt, hatten wie so viele Flieger bereits im Kindergarten beschlossen, zum Mond zu fliegen. In der 7. Klasse hat man dann mit dem Bau von Wasserraketen begonnen und heute experimentiert Julian bei der DLR (Deutsche Luft und Raumfahrt) und studiert an der TH Stuttgart das Fach Luftfahrtechnik.
Nach der Präsentation startete der Wettbewerb. Rainer Jährling und Stefan Winkler fungierten als Startleiter. Kurz hintereinander wurden die Raketen abgeschossen und die Flugzeit durch Hans Peter Andresen gemessen. Zwischen 5 und 8 Sekunden blieben die Projektile in der Luft, was immerhin einer Flughöhe von 50 bis 100 Metern entspricht. Die beste Rakete wurde von Noemi Mertz gebaut, gefolgt vom zweiten Platz durch Moritz Ruhland, dem dritten Platz durch Lucas Gebhardt und dem vierten Platz durch Ryan Morrison. Der erste Platz wurde mit einem Preisgeld von 50 Euro belohnt, der 2. bis 4. Platz je mit einem Rundflug.
Dann wurde die Stuttgarter Rakete zu Start vorbereitet. Da ein neu entwickeltes Fallschirmsystem verbaut war, wurde als Startplatz das nördliche Ende der Landebahn gewählt.
Spannend wurde es, als zum Countdown herunter gezählt wurde – sollte doch diese Rakete bis zu 300 Meter hoch fliegen. Ein Zischen und Fauchen und nach zehn Metern löste sich der Fallschirm – Fehlstart! Aber eine gute Lehre für die jungen Bürstädter Raketenbauer: Es klappt nicht immer alles beim ersten Mal — Zähne zusammenbeißen, Fehler analysieren, weitermachen und sich nicht entmutigen lassen. Es kommt nur auf den Willen und das Durchhaltevermögen an.
Die Aufgabe und das Thema der Ferienspiele im nächsten Jahr: Entwurf und Bau eines Fallschirmsystems für Wasserraketen mit der entsprechenden Auslösemechanik. Die Betreuer der IG Ul Fliegen sind sich sicher, dass die Kinder sich damit sofort auseinandersetzen und entwerfen, kleben, schneiden, erforschen und ausprobieren werden. zg