Di., 03.11.2026
Die Gratiszeitung für Lampertheim und das hessische Ried
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Di., 03. November 2026, 13:12 Uhr
    RÜBENBAUERN RUFEN UM HILFE: Zikaden und Trockenheit gefährden Offsteins Zukunft / Feldgespräche zeigen Lösungswege

    Zuckerrübe und -fabrik in der Krise

    Von links im Vordergrund: Thomas Knecht, Ministerin Christine Schneider, Dr. Christian Lang.

    Die Schilf-Glasflügelzikade überträgt mehrere Krankheitserreger zugleich. Dadurch befallene Rüben lagern weniger Zucker ein, werden gummiartig und faulen leichter. Rheinland-Pfalz ist der Brennpunkt in Europa für die Zikadenart. Dadurch sind die Pflanzen besonders anfällig für Hitze und Trockenheit, aber auch für Pilze und Schädlinge. 

    Christine Schneider, rheinland-pfälzische Landwirtschafts- und Umweltministerin, konnte auf einem Rübenfeld in der Nähe von Mainz die Rübenmotten-Schäden ebenso sehen wie die jungen Larven der Zikaden, die im nächsten Jahr aus den diesjährigen Rübenfeldern ausfliegen werden. Ein böser Kreislauf nicht nur für Rüben, sondern auch Kartoffeln und viele Gemüsearten. 

    Halbe Ernte fehlt

    Die Ministerin zeigte sich betroffen, dass die schlechteste Zuckerrübenernte Deutschlands in Rheinhessen und der Pfalz eingefahren wird: „Das Werk und der Anbau sind für Rheinland-Pfalz wichtige Säulen der Wertschöpfung im ländlichen Raum.“ Das größte Südzucker-Werk in Offstein kann mit den weniger als 45 Tonnen Zuckerrüben je Hektar nur 65 Tage arbeiten. Wegen niedriger Zuckerpreise hatten die Anbauer die Fläche um 25 Prozent eingeschränkt. Jetzt kommen Schäden durch Trockenheit und Krankheiten dazu. So fehlt die halbe Ernte. 

    Das gab es schon seit 1991 nicht mehr. „Die Kosten für Anbau, Ernte und Transport, aber auch Löhne und Verarbeitung sind aber mehrfach so hoch wie vor 35 Jahren. Die Betriebe brauchen jetzt keine neuen Steuern, sondern Lösungen für ihre Probleme auf dem Acker“, erklärte Thomas Knecht als stellvertretender Vorsitzender des Verbandes der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer.

    Alle Hebel in Bewegung setzen

    Die Geschäftsführerinnen des Kompetenzzentrums Praxisforschung (KOMPAG gGmbH) erläuterten die Optionen, mehr Lösungsansätze auf den Acker zu bringen. Helen Pfitzner zeigte die Zikadenlarven und Anna Dettweiler konnte konkrete Ziele für das nächste Jahr in der Praxisforschung aufzeigen.

    Dr. Christian Lang bat als Geschäftsführer des Verbandes um mehr Unterstützung bei europäischen Forschungsanträgen: „Das Land muss mehr Druck auf den Bund ausüben, damit endlich Forschungsmittel in die am stärksten betroffene Region kommen. Und das Land Rheinland-Pfalz kann unterstützen, dass wir gute Ideen aus hessischen Projektanträgen auch im Land der Reben und Rüben umsetzen können.“ Damit sei es möglich, dass Lösungen schneller auf den Acker kommen. Diese Hebel müssten vor der Saat 2027 bereits genutzt werden.

    Hoher Leidensdruck

    Von links: Lutz Eidmann, Anna Dettweiler, Hartwig Jourdan, Tim Wroniak.

    Hartwig Jourdan, Mitglied des Landtages in Hessen und Tim Wroniak, Referent für Landwirtschaft und Umwelt der CDU-Fraktion informierten sich am Mittag auf Flächen im Hessischen Ried. Nahe der Gemeinde Rosengarten am Rhein wurden gerade Zuckerrüben geerntet.

    Der Abgeordnete war auf das Rübenfeld gekommen, um mit Lutz Eidmann, dem zweiten stellvertretenden Vorsitzenden des Verbandes der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer, Geschäftsführer Dr. Christian Lang und der Geschäftsführerin der KOMPAG gGmbH über Lösungen der Rüben-Krise zu sprechen.

    Die Rüben aus Wetterau und Südhessen sind essentiell für die Zuckerfabrik Offstein. „Ohne die hessischen Rüben gibt es das Werk in Offstein nicht mehr. Aber ohne gute Erträge in Rheinland-Pfalz gibt es auch keinen Anbau in Hessen mehr“, brachte Lutz Eidmann es auf den Punkt. 

    Die Schäden an den Rüben kennt Jourdan aus dem eigenen Betrieb. So konnten die Teilnehmer des Austauschs direkt in die Sache einsteigen. „Die Rüben waren für mich eine Säule des Betriebes und in der Fruchtfolge sind sie nicht wegzudenken“, erklärte Jourdan auf dem sichtbar geschädigten Feld. Jourdan stellte fest: „Fällt der Rübenanbau in einem der beiden Länder weg, schließt die Fabrik Offstein. Das ist klar. Deshalb wird die Zeit für Fortschritt knapp.“ 

    Lösungen für Betriebe gefordert

    „Wir brauchen Lösungen für die ganzen Betriebe, nicht für eine Kultur“, erklärte Lang die Motivation für neutrale und gemeinnützige Forschung, die aber nah am Bauern sein soll. Das begrüßte auch Hartwig Jourdan: „Grundlagenforschung braucht zu lange. Die Betriebe haben nur noch wenig Zeit. Lösungen müssen jetzt kommen.“ Daher brauche man auch weiterhin Notfallzulassungen, Monitoring und Versuche.

    Anzeige Online StellenmarktAnzeige dkge 1x1Anzeige dkge 2x2
    Anzeige Palais Landau
    Anzeige TicketshopAnzeige NK Worms und RheinhessenAnzeige 3 Anzeige - 2