
LAMPERTHEIM/BÜRSTADT – Die beiden Nachbarstädte wollen die Zukunft mit dem Projekt „Smart City Interkommunal: Bürstadt und Lampertheim“ gemeinsam gestalten. Die finanzielle Unterstützung durch das Förderprogramm „Starke Heimat Hessen“ endet nach zweijähriger Projektlaufzeit zum 31. Dezember. Zum aktuellen Stand des Projekts hatten die Bürgermeister Gottfried Störmer und Boris Wenz am Montagabend zu einer Informationsveranstaltung ins Lampertheimer Stadthaus eingeladen, an der Vertreter aus der Verwaltung und Politik beider Städte teilnahmen. Die Kosten von 2,45 Millionen Euro über zwei Jahre werden hälftig verteilt, wie Bürgermeister Störmer in seinen einleitenden Worten erklärte, die Förderquote betrage 90 Prozent. Ein Vorteil sei die gemeinsame Bewerbung um die Fördermittel gewesen, betonte Störmer, denn durch dieses Alleinstellungsmerkmal habe man den Zuschlag bekommen. Zudem könne sich dieses interkommunale Projekt als „Best Practice“-Beispiel rühmen. Vor drei Jahren habe die Landesregierung Kommunen aufgerufen sich um Fördermittel zu bewerben – was Bürgermeisterin und Bürgermeister als gemeinsame Aufgabe angesehen hätten. Positiv wertet Störmer, dass bereits 200 Vorgänge der Lampertheimer Stadtverwaltung den Bürgern digital zur Verfügung stehen, um das Leben einfacher, nachhaltiger und lebenswerter zu machen. Überzeugt zeigte sich Störmer auch, dass die vernetzten Sensoren helfen werden die Umwelt zu schützen, Transparenz zu schaffen und Verwaltung, Wirtschaft, Bürger und Vereine als Mithandelnde den digitalen Wandel als Weg in die Zukunft vor Ort beginnen. Mit der Kompetenz der Verwaltungsmitarbeiter seien die Aufgaben erledigt worden, für die technische Umsetzung werden Fachfirmen beauftragt. Mit dem aktuellen Sachstand sei das Projekt nicht abgeschlossen, es sei eine Momentaufnahme, in Zukunft gebe es viele Möglichkeiten des weiteren Ausbaus. Der Bürstädter Bürgermeister sprach ein kurzes Grußwort bevor Felix Bastian Unseld, der Experte vom Zentrum für Digitale Entwicklung GmbH (ZDE), den aktuellen Stand des Ausbaus und die Auswirkungen auf die Bürger präsentierte.
Foto: Hannelore Nowacki
Zu einem noch nicht bekannten Zeitpunkt wird das „Bürgerdashboard“ freigeschaltet, dann können die Bürger von Bürstadt und Lampertheim auf viele Messdaten in Echtzeit zugreifen und sich zum Beispiel über die Belegung der Parkplätze in beiden Städten von zu Hause aus oder von unterwegs informieren. Vernetzte Sensoren sind die kleinen Helfer, die schon zu zwei Dritteln installiert sind, der Rest soll bis Ende des Jahres folgen. Messen und vernetzen sind die Zaubermittel einer Ressourcen schonenden Zukunft. Fachreferent Unseld drückte es so aus: Evidenzbasierte Stadtentwicklung mache gefühlte Wahrheiten greifbar und zählbar und führe zu besseren Entscheidungen als das Bauchgefühl.
Urbane Datenplattform, Bürgerdashboard und Datenschutz
Durch intelligente Vernetzung von Daten, hunderte Sensoren, Messstellen und Prozessen soll bei Einhaltung des Datenschutzes das Leben der Stadtgesellschaft nachhaltig verbessert werden. Als Herzstück der interkommunalen Smart City-Strategie gilt die Urbane Datenplattform, die sich im Aufbau befindet. Für das Grünflächenmanagement werden Daten gespeichert, verarbeitet und analysiert, um städtischen Mitarbeitern Handlungsempfehlungen zu geben. Über 100 Klimamesspunkte und ebenso viele Bodenfeuchtemesser sollen klimafreundliche Maßnahmen wie effiziente Bewässerung von Grünflächen ermöglichen – die Gärtner fahren nur raus, wenn nötig. Für interne und externe Akteure sowie für die Bürger werden Daten auf grafischen Benutzeroberflächen dargestellt. Wann Bürger auf das Bürgerdashboard zugreifen können, werde noch bekannt gegeben. Waldbrände könnten schnell entdeckt werden. Die Wasserqualität des Altrheins und die Pegelstände werden gemessen, die Verfügbarkeit von Parkplätzen wird von Sensoren festgestellt. Alles sei datenschutzkonform geprüft, versicherte der Experte, auch bei Messung des Verkehrsflusses. In Bürstadt erfolge die Verkehrsüberwachung als anonyme Zählung von Fahrzeugbewegungen, was für die zukünftige Verkehrsplanung wichtig sei. Der kleine KI-Computer stecke im Sensor. Nur Art des Fahrzeuges, ob Fahrrad, PKW oder LKW, werde festgestellt, Standort, Uhrzeit und Fahrtrichtung.
Foto: Hannelore Nowacki
Folgekosten nicht bekannt gemacht
Die Frage aus dem Publikum zu den Folgekosten dieses komplexen Systems konnte der Experte nicht beantworten, die seien bekannt, aber Zahlen seien jetzt nicht nennbar. Jedenfalls würde die Folgekosten in den Haushalt eingepreist. Ob die Geschwindigkeit erfasst werde, war eine weitere Frage. Bürgermeister Störmer versicherte es werde nur gezählt. Eine besorgte Frage zielte auf den Datenschutz hinsichtlich der Datenplattform. Dafür habe es eine europäische Ausschreibung gegeben, erklärte der Experte, es sei keine Eigenentwicklung, die Server seien in Deutschland und alles werde aktuellen Normen gerecht.
Hannelore Nowacki